“Woodstock” kein zweites Duisburg

de “Woodstock” kein zweites Duisburg

WARSCHAU – Mit Gelassenheit, einer großen Portion Festival-Erfahrung, aber auch mit Alkohol- und Drogenverboten: So sehen die Organisatoren ihrem eigenen Rock-Event „Haltestelle Woodstock“ in der westpolnischen Grenzstadt Kostrzyn (Küstrin) entgegen. Damit ist die Veranstaltung an diesem Wochenende die größte ihrer Art des Kontinents – mit bis zu 400.000 jungen Leuten, die aus ganz Europa erwartet werden.

Es geht darum, sich bei den Polen zu bedanken, die im Januar eine karikative Spendenaktion unterstützt haben. Dabei steht die „Haltestelle Woodstock“ diesmal unter dem schockierenden Eindruck des Techno-Spektakels „Love Parade“ in Duisburg von vor einer Woche. Dort waren bei einer Massenpanik mehr als 20 Menschen zu Tode gekommen. Mehrere hundert waren verletzt worden. Die bange Frage: Ist so etwas auch hier möglich?

„Es gibt kein Risiko, dass es zu so einer Tragödie kommt“, erklärt hingegen Sławomir Konieczny – der Polizeisprecher der Region Lubuskie, die dafür zuständig ist. Denn dieses Festival habe ein anderes Ausmaß als die „Love Parade“, an der über eine Million Partygäste teilgenommen hätten. „Es wird kein Eintritt verlangt, es findet unter freiem Himmel statt, und das Gelände ist weder von Bebauung noch von Zäunen umgeben“, sagt Konieczny. Staus, die durch eine Einlasskontrolle entstünden, werde es nicht geben. „Und ein Abfluss der Partygäste ist ständig möglich.“

Tausende von Polizisten
Rund 1.000 Polizisten werden für die Sicherheit sorgen – dazu kommen freiwillige Helfer, schließlich genießt dieses Festival in der gesamten Region Kultstatus. Zusätzlich sollen rund 300 Schilder auf dem Gelände bei der Orientierung helfen. Auto fahren ist dort vollständig verboten.

Gut vorbereitete Nachbarn
„Die Polen sind gut vorbereitet“, findet auch Jens Lawrenz – Sprecher des Kinder- und Jugendclubs FRIZZ Kindervereinigung Seelow. Seine Organisation aus dem benachbarten Brandenburg ist ein deutscher Medienpartner des Festivals. Lawrenz rechnet mit insgesamt 20.000 bis 30.000 deutschen jungen Leuten, die daran teilnehmen. „Schließlich veranstalten sie dieses Event ja schon seit sechs Jahren an diesem Ort“, weist der Jugend-Kenner auf die Erfahrung der Polen hin. Und ganz wichtig: „Es ist ja auch nicht kommerziell wie die Love Parade“.

Darüber hinaus erlauben die Polen nur die begrenzte Ausgabe von Alkohol, der zu einer negativen Stimmung führen könnte. Und nicht nur, wenn es um das Bier, Wein oder Schnaps geht. Alle Drogen – egal, ob weiches Marihuana oder richtig harter Stoff – sind in Polen sogar komplett verboten. „Das haben wir unseren jungen Leuten auch ganz klar gesagt“, unterstreicht Lawrenz. „Die polnische Polizei nimmt jeden sofort in Haft, der damit erwischt wird.“ Und es drohen empfindliche Strafen. „Die sind da ganz konservativ und überhaupt nicht zimperlich.“