Erfolgreiches IPO mit Fragezeichen

de Erfolgreiches IPO mit Fragezeichen

Die PKP Cargo hat als erster Bahnkonzern in Europa ein erfolgreiches Börsendebüt gefeiert. Der Vorstand freut sich über die Mehreinnahmen und will die eingeschlagene Restrukturierung und Modernisierung fortsetzen. Allerdings reichen die Mittel bei weitem nicht, um den Bedarf zu decken. Und die Gewerkschaften haben sich ebenso einen spürbaren Teil davon genommen.

Warschau. Polen hat es geschafft: Die staatliche PKP Cargo, der zweitgrößte Bahnkonzern für Frachtgut in Europa, feierte nach langen Vorbereitungen ihren erfolgreichen Einstand auf dem Börsenparkett. Und das als erstes Unternehmen ihrer Branche überhaupt .

Der Aktienkurs  schnellte bei seinem Debüt Ende Oktober um fast 20 Prozent in Höhe, und mit einem Gesamtvolumen von 1,4 Milliarden Zloty oder 335 Millionen Euro war dieses Initial Public  Offering (IPO) das bisher größte in Polen im laufenden Jahr. Der polnische Staat hat 50 Prozent der Anteile minus eine Aktie angeboten. Und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) hält nun 5,1 Prozent. Insgesamt gingen 20 Prozent an die Ausländer.

“Dieses Debüt ist die Krönung eines langen, aber doch letztlich erfolgreichen Restruktuierungsprozesses”, freute sich der PKP-Cargo-Chef

Łukasz Boroń . “Wir wollen damit unsere Gesellschaft weiter restrukturieren, unsere Position am polnischen Markt stärken sowie unsere Expansion an den Auslandsmärkten fortführen”, unterstrich der Bahnboss.

Hintergrund: Die PKP Cargo hat seit 2008 die Mitarbeiterzahlen auf 25.000 nahezu halbiert und 80 Prozent der firmeneigenen Werke geschlossen, weil sie unrentabel waren. Das Unternehmen hat zudem Anfang Oktober 2013 acht Gesellschaften, die bisher für die Wartung der Waggons zuständig waren, zu zwei Töchtern verschmolzen. Ebenso hat der Vorstand die zwei Firmen, die für die Instandhaltung der Loks verantwortlich waren, zu einem Unternehmen vereint.

Damit soll die Dominanz am polnischen Markt untermauert werden. Zumal seit 2009 mit der Deutschen Bahn ein Akteur in Polen präsent ist, der bereits über wesentlich schlankere Strukturen verfügt. Die Strategie sieht vor, dass ab dem 1. Januar 2014 weitere zehn Töchter zu sechs Einheiten verbunden werden.

Darüber hinaus unterstützen externe Dienstleister den Konzern, um den Fuhrpark zu erneuern. Die PKP Cargo hat im Mai einen Vertrag mit dem Wartungsunternehmen NEWAG unterzeichnet. Es geht um die Instandhaltung von 30 Loks des Typs TEM2. Zwei Zugmaschinen sind bereits im Oktober bereitgestellt worden. Der Plan sieht die Modernisierung von insgesamt 50 Loks in den kommenden Jahren vor, die dadurch 25 Jahre länger in Betrieb genommen werden können.

Aus der Sicht von Experten stehen die richtigen Herausforderungen aber noch an. Denn das Unternehmen muss in den kommenden zehn Jahren 15.000 von den insgesamt 60.000 Waggons aus Altersgründen austauschen. “Dafür braucht man alleine fast eine Milliarde Euro”, schätzt ein Fachmann. Da seien die IPO-Einnahmen bei weitem zu wenig.

Das Unternehmen will zudem im Ausland zukaufen, ohne genaue Angaben zu machen.  In Deutschland sind die Polen seit März 2011 aktiv, allerdings ohne spürbaren Marktanteil. Zusätzlich verfügt das Unternehmen über Sicherheitslizenzen, die für Transporte in anderen Ländern gelten wie etwa Österreich, Tschechien oder der Slowakei.

Geschäftlich müht sich der Konzern aus der Krise. Im laufenden Jahr verringerten sich zwar die Umsätze bis Ende Juni um acht Prozent auf 2,3 Milliarden Zloty. Der Nettogewinn krachte um 45 Prozent auf 76 Millionen Zloty ein. Allerdings hatten sich die Geschäfte in den Vorjahren wieder stabilisiert und Zuwächse ausgewiesen. Damit war der Bankrott abgewendet worden.

Und gerade hier, auf der geschäftlichen Seite, bleiben weitere Probleme. Da die Einschnitte so radikal erfolgen, hat die Privatisierung den erbitterten Widerstand der Gewerkschaften hervorgerufen. Medienberichten zufolge waren sogar einige Mitarbeiter deswegen in den Hungerstreik getreten. Der Vorstand sicherte ihnen auch eine Beschäftigungsgarantie nach dem Börsengang sowie eine Privatisierungsprämie von 173 Millionen Zloty (41 Millionen Euro) versprochen.

Eine nicht gerade geringe Summe, macht sie doch zwölf Prozent an den gesamten IPO-Einnahmen aus. Dies hatte bereits im Vorfeld ein schlechtes Licht darauf geworfen. Auch gerade wegen der Gegenwehr der Arbeitnehmervertreter dürfte es für die PKP Cargo nicht ganz so einfach werden, ihre Ziele zu erreichen – dem erfolgreichen Börsengang zum Trotz.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>