Solider Konsens-Sucher ohne Farbe

de Solider Konsens-Sucher ohne Farbe

WARSCHAU – Zuverlässig, solide und kompromissbereit – aber auch etwas farblos und langweilig. So lässt sich der 58jährige Historiker Bronisław Komorowski beschreiben – das neue polnische Staatsoberhaupt. Und eben gerade das sind die Eigenschaften, die im abgelaufenen Wahlkampf für den Erfolg ausschlagend gewesen sind. Denn die Kampagne stand unter dem Eindruck gleich zweier Tragödien. Anfang April war der damalige Präsident Lech Kaczyński bei einem Flugzeugabsturz in Russland umgekommen. Und nur wenige Wochen später schwemmte eine Jahrhundert-Flut fast das gesamte Land weg.

Deswegen hätten die Polen diesmal auf die sonst üblichen parteiideologischen Konflikte oder persönlichen Verbalscharmützel der Kandidaten äußerst empfindlich reagiert. Sie wollten solidarische Politiker sehen, die gemeinsam die Probleme anpackten. Und dafür steht der ehemalige Parlamentspräsident Komorowski zweifelsohne eher als sein nationalkonservativer Kontrahent Jarosław Kaczyński – auch wenn der Bruder des verstorbenen Präsidenten Lech auf einmal nicht auf Konfrontation gegangen war.

„Komorowski hat aufgrund seiner Persönlichkeit gewonnen – weniger wegen der Inhalte seines Wahlkampfes, die lückenhaft gewesen sind“, analysierte denn auch der Warschauer Politikwissenschaftler Rafał Chwedoruk. Gegen ihn könne man einfach keine negative Kampagne führen – so versöhnlich sei er. „Dieser Sieg ist deswegen auch sein Sieg und nicht derjenige seiner Partei – der liberalen PO“, findet Chwedoruk.

Auch für Konservative interessant
Dabei ist Komorowski auch für konservative Intellektuelle wählbar, die eng mit der Kirche verbunden sind. Denn der fünffache Familienvater hat als Solidarnosc-Anhänger während der kommunistischen Zeit im Arrest gesessen hatte. Und steht damit für die Werte Widerstand und für die Familie. Allerdings ist er trotzdem auch für Teile der Linke akzeptabel, die sich mit Kaczyński nie anfreunden werden. Ihre Stimmen waren im zweiten Wahlgang ja besonders wichtig.

Allerdings war Komorowski für manche Polen dabei wiederum zu charakterlos. Sie wollten wegen der schwachen Kandidaten überhaupt nicht wählen gehen. Doch auch diese Unentschlossenen in die Wahllokale zu bringen, war ihm gelungen – zu groß war denn doch die Angst vieler Polen, der polarisierende Kaczyński werde dann dadurch Staatspräsident. Schließlich gingen 55,3 Prozent der Polen an die Urnen – für das Land war das enorm hoch. Auch das war ein Erfolg für den neuen Staatspräsidenten.