Polen wird zu Europas Tiger

de Polen wird zu Europas Tiger

Ständiges Lob für die Wirtschaft, Rostowski als Finanzminister des Jahres 2009 und nun auch noch das: „Polen wird Deutschland in 20 Jahren überholen“, prognostizierte in der vergangenen Woche der Chef des Brüsseler Wirtschafts- und Politikinstitutes CEPS, Daniel Gros, der übrigens selbst Deutscher ist. Der Westen überschüttet das Land seit geraumer Zeit mit positiven Bewertungen und Komplimenten. Das wiegt umso schwerer, da sich Europa in einer weitweiten Krise befindet, der offenbar nur Polen die Stirn bieten kann, ohne eine richtige Rezession zu erleben.

Und diejenigen, die das am wenigsten verstehen, sind die Polen selbst. Gerade die CEPS-Prognose belächeln sie ironisch als „gewagte These“, halten sie für einen Aprilscherz oder schlichtweg für „ökonomische Fantasy“. Oder sie vermuten dahinter irgendeinen üblen Spott aus Deutschland, aber mit Sicherheit nicht, dass diese positiven Bewertungen ernst gemeint sind.

Dabei ist eins klar – auch wenn niemand vorhersagen kann, was in 20 Jahren sein wird: Das Bild Polens ist gerade dabei, sich zu verändern. Die Zeiten gehen langsam vorbei, in denen der Westen das Land ausschließlich als arm und elend ansieht – als ein Land, aus dem man am besten flieht. Nicht wenigen Deutschen, die nun in Führungspositionen in den Unternehmen sitzen, ist der Begriff „Polnische Wirtschaft“ gar nicht geläufig. Sie sind Ende der Siebziger Jahre geboren, waren zum Mauerfall Kinder und stammen aus dem alten Westen der Bundesrepublik – der alten Adenauerrepublik, die eine starke Ausrichtung nach West-Europa hatte. Folglich haben diese Deutschen zur kommunistischen Zeit überhaupt keinen Bezug. Diese 30jährigen können auch nur wenig mit den alten Stereotypen anfangen. Und sie haben eher überhaupt keine Vorstellung davon, was Polen überhaupt ist.

“Investments phänomenal”
„Viele meiner Kunden hatten vor ihrem ersten Besuch hier keine Vorstellung oder aber nur die frühere schlechte Meinung von dem Land“, bestätigte mir auch ein ausländischer Manager eines internationalen Konzerns im Interview. Wenn sie dann aber das erste Mal hier seien, dann ändere sich das aber zum Positiven. „Die Investmentzahlen sind doch phänomenal“, jubelte der Unternehmer sogar. Seit Jahren strömten zwischen 5 und 15 Milliarden Euro in das Land. „Damit ist das Land unter den besten Top Ten der Investitionsstandorte“, führte er weiter aus.

Es ist klar, dass man diese Aussagen kritisch bewerten muss. Ein großer Konzern hat immer genügend finanzielle Mittel, um auch Durststrecken zu überstehen. Und er verfügt über genügend Geld, um die Probleme, die es hier zweifellos gibt, wie schlechte Infrastruktur oder nervige Bürokratie zu meistern. Außerdem bekommen viele Ausländer oft die Schwierigkeiten wie die Armut auf dem Land nicht so ganz mit. Viele verstehen die Sprache nicht und sind nicht in den polnischen Alltag eingebunden.

Doch Probleme hat jedes Land – Deutschland übrigens auch. Unser Staat ist mit 1,7 Billionen Euro (!) verschuldet, und in einer Stunde wächst dieser Schuldenstand um 16,2 Millionen Euro. Ich könnte hier noch eine ganze Liste aufführen, aber dafür reicht der Platz nicht. Schwierigkeiten sind völlig normal. Und normal ist auch, dass sich ein Image wandeln kann wie jetzt im Fall von Polen.

Kraftstrotzender Krakauer rettet 1860 München
Sicher wird es immer wieder Deutsche geben, die schlecht über ihr östliches Nachbarland reden. Doch konnte man seit dem EU-Beitritt des Landes auch schon ganz andere Stimmen hören: Im Dezember 2009 hat der deutsche Traditionsverein 1860 München, dessen finanzielle Situation angespannt war, endlich einen Sponsor gefunden. Und zwar das polnische Software-Haus Comarch, das der Krakauer Professor Janusz Filipiak gegründet hat. „Mit Comarch und vor allen Dingen mit ihrem Präsidenten Professor Filipiak haben wir kraftstrotzende Partner gefunden, die aus eigener Erfahrung die Schwierigkeiten, aber auch die Chancen und Potenziale eines Fußballclubs wie 1860 München kennen“, sagte 1860-Chef Manfred Stoffers.

Und weiter heißt es in der Pressemitteilung: „Mit einem Anflug von Stolz fügt Stoffers hinzu: „Wenn sich ein begnadeter Selfmade-man wie Professor Filipiak für eine Kooperation mit einem Noch-Zweitligisten wie uns entscheidet, ist dies nicht nur ein wirtschaftlicher Glücksfall für uns, sondern zugleich auch ein Kompliment. Denn schließlich bescheinigt er uns damit unsere aktuelle Bedeutsamkeit und vor allen Dingen unser Entwicklungspotenzial, das sein Unternehmen durch die Partnerschaft fördern und nutzen will.“ Wer so etwas schreibt, denkt bestimmt nicht an die Polnische Wirtschaft.