PKP Cargo mit neuem Chef

Adam_Purwin-_Prezes_Zarzadu_PKP_CARGO

Finanzfachmann Adam Purwin ist der neue Chef der PKP Cargo.

Der zweitgrößte Frachtgutkonzern Europas, die halbstaatliche polnische PKP Cargo, hat seit Anfang Februar wieder einen neuen Vorstandsvorsitzende. Wie das Unternehmen erklärte, wird der bisherige Interimschef Adam Purwin auch auf Dauer die Amtsgeschäfte führen. Der Finanzfachmann und Jurist wurde auf dem Weg einer Ausschreibung gewählt, die sich über Monate hingezogen hat.

Der Manager agierte vorher über 15 Jahre hinweg auf unterschiedlichen Positionen in mehreren polnischen Finanzinstituten wie die Commerbank-Tochter BRE Bank in Warschau. Er gilt als ausgewiesener Exportfachmann.

Hintergrund: Die PKP Cargo hat damit einen wichtigen Schritt gemacht, um den negativen Eindruck zu verwischen, der durch den Abgang von Purwins Vorgänger entstanden war. Der bisherige Chef, Łukasz Boroń ,hatte nämlich im Herbst des vergangenen Jahres kurz vor dem Börsendebüt überraschenderweise seinen Rücktritt erklärt. Das Unternehmen hatte daraufhin erstmal Purwin inthronisiert, um seine Handlungsfähigkeit zu bewahren.

Bis heute sind die Gründe dafür nicht ganz klar. Boroń hatte offenbar vor dem Initial Public Offering (IPO) einen kapitalen Fehler gemacht. Wie das polnische Finanzportal “Inwestycje.pl” berichtet, ist der Vorstandsvorsitzende für die Fehlbewertung einer Tochtergesellschaft verantwortlich. Dadurch habe die PKP Cargo weniger Einnahmen durch den Börsengang erzielt als möglich gewesen wäre, mutmaßen die Finanzjournalisten. Das Unternehmen hat sich dazu nicht geäußert.

Offiziell hatte es geheißen, er scheide aus persönlichen Gründen aus.
Trotzdem gehörte das IPO mit 1,4 Milliarden Zloty (335 Millionen Euro) zu den größten am Warschauer Handelsplatz im Jahr 2013. Es war der erste Börsengang einer Bahngesellschaft in Europa überhaupt und wurde entsprechend genau in der Branche beachtet.

“Wir werden für 2013 eine Dividende zwischen 35 und 50 Prozent des Nettogewinns ausschütten”, erklärte der Vorstandsvorsitzende des Gesamtkonzerns PKP, Jakub Karnowski. Der PKP-Cargo-Vorstand müsse dies allerdings noch bestätigen, so der Bahnmanager.

Letzlich steht das IPO aber unter keinem guten Stern. Das Unternehmen hat nach den ersten neun Monaten 2013 einen Verlust von 4,6 Millionen Zloty (1,1 Millionen Euro) verbucht. Im Vorjahreszeitraum hatte es noch einen Nettogewinn von 253,4 Millionen Zloty (60,6 Millionen Euro) gegeben.

Unbedingt Fuhrpark erneuern
Deswegen wird zu den vordringlichen Aufgaben des neuen Chefs gehören, eine gute Investor Relations zu etablieren. Darüber hinaus muss Purwin die Modernisierung des Konzerns voranrantreiben. Insbesondere will es mit den Mitteln aus dem IPO seinen Fuhrpark erneuern.

In Zahlen: Die Polen wollen beispielsweise ihren Planungen zufolge im laufenden Jahr 26 Lokomotiven des Typs SM48 erneuern. Nach Unternehmensangaben betrug der Bestand zum Ende Juni 2013 250 Loks und mehr als 63.000 Waggons.

Der Konzern hat in den vergangenen drei Jahren seine Investitionen in diesen Bereich immer mehr gesteigert. 2011 betrug das Volumen 452,1 Millionen Zloty oder 125 Millionen Euro. 2012 erhöhte sich diese Summe auf 527 Millionen Zloty oder 137 Millionen Euro. In diesem Jahr gaben die Polen dann 593 Millionen Zloty oder 141 Millionen Euro aus.

Mit der Inthronisierung von Purwin hat das Unternehmen nun einen Schritt gemacht, um weiter nach vorne zu schauen und um die Irritationen am Markt zu zerstreuen. Die PKP Cargo kann sich jetzt wieder auf ihre wichtigsten Aufgaben konzentrieren.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>