Organisation für EM 2012 stottert

deOrganisation für EM 2012 stottert

WARSCHAU -. Polen, das im Jahr 2012 zusammen mit der Ukraine die Fußball-EM ausrichten soll, kommt bei der Organisation ins Straucheln. „Etwa die Hälfte der Projekte, die untersucht worden sind, werden nicht plangemäß fertig“, heißt es in einem Bericht, den die einheimische Nationale Kontrollkammer (NIK) veröffentlicht hat. Diese Behörde überprüft von Zeit zu Zeit, wie der polnische Staat seine Steuergelder verwendet. In diesem Fall geht es um den Bau von Straßen- und Autobahnabschnitten, Bahnstrecken sowie dem Ausbau von Flughäfen, die für die Sportveranstaltung notwendig sind. Darüber hinaus kritisiert die NIK, dass die Ausgaben der staatlichen Gesellschaft „2012.pl“ zu hoch seien. Sie ist für die Vorbereitung zuständig.

Damit steht die Ausrichtung des Riesen-Ereignisses wieder unter einem unglücklichen Stern – und das, obwohl Polen von den beiden Ausrichterländern eigentlich immer als der solidere Organisator gegolten hatte. Die Ukraine hingegen hat den Vertretern der europäischen Fußball-Union UEFA schon von Anfang an die Sorgenfalten auf die Stirn getrieben – und zwar wegen ihrer unsicheren politischen und wirtschaftlichen Lage. Dabei ist dieses Sport-Event für beide Länder von sehr großer Bedeutung: Viele einheimische Politiker und internationale Investoren erhoffen sich davon einen gewaltigen wirtschaftlichen Schub und einen erheblichen Imagegewinn.

Das scheint nun wieder in Frage zu stehen. „Die Termin stehen sehr unter Druck“, bestätigte ein Sprecher der NIK auf Anfrage. 52 Investitionsprojekte von den 127, die wir kontrolliert haben, werden nicht so realisiert, wie es der Plan von 2009 vorsieht“, heißt es in dem Bericht.

Dabei ist die genauere Analyse schon besorgniserregend: „36 dieser Projekte werden erst nach Beginn der EM fertig“, heißt es. Davon sind die meisten Schnellstraßen und öffentliche Nahverkehrsprojekte in den Städten. Doch das ist noch nicht alles: Manche Projekte würden auch erst im Mai 2012 beendet – das heißt, auf den allerletzten Drücker. Und die kleinsten Probleme könnten auch hier zu einer Verspätung führen.

„Ein Teil dieser Investitionen werden sich zwar verspäten, doch wird nur einen geringen Einfluss auf die EM 2012 haben“, versuchte der polnische Sportminister Adam Giersz hingegen weiter Optimismus zu versprühen. Und auch die UEFA will sich davon nicht beeindrucken lassen. Und verdoppelte daraufhin die Zahl ihrer Fachleute, die in Polen die örtlichen Organisatoren unterstützen sollen.

Platini bleibt dabei
UEFA-Präsident Michel Platini suchte systematisch den Schulterschluss mit den Polen, indem er extra betonte: „Wir gehen davon aus, dass die EM in vier polnischen und in vier ukrainischen Städten stattfindet.“ Und der letztliche Organisationsplan werde im Oktober präsentiert. Es sieht so aus, dass die UEFA unbedingt die EM in Polen und der Ukraine sehen will – auch wenn die Probleme bei der Vorbereitung nicht klein sind. Und will damit zeigen, dass es trotz der Bedenken richtig war, die Veranstaltung in diese unsicheren Ländern zu vergeben.