Kurier- und Paketdienste brechen 2009 ein

de Kurier- und Paketdienste brechen 2009 ein

WARSCHAU – Im Prinzip sind aus Polen derzeit nur optimistische Töne zu hören, wenn es um die Wirtschaft geht: Das Land hat als einziger EU-Staat im vergangenen Jahr das schwierige Wirtschaftsjahr 2009 ohne Rezession überstanden. Das britische Fachblatt „The Banker“ kürte den polnischen Finanzminister Jacek Rostowski zu Jahresanfang sogar zum „Finanzminister des Jahres“. Und auch für das laufende Jahr 2010 zeigen die internationalen Ökonomen optimistische Minen, wenn sie die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Polens bewerten.

Was für die Gesamtwirtschaft gilt, gilt für einzelne Branchen noch lange nicht. Und schon gar nicht für so relativ kleine Branche wie den polnischen KEP-Markt, der erst seit knapp 20 Jahren existiert. „Das Wirtschaftsjahr 2009 war das schwierigste überhaupt in der Geschichte“, bilanziert die polnische Logistikfachzeitung „TSLbiznes“. Hohe Umsätze wie in den Vorjahren habe kein Unternehmen mehr verzeichnet, und bei vielen Firmen habe sich schlichtweg Stagnation breit gemacht. Zusätzlich erschien kein neuer Anbieter am Markt – zu groß waren die Bedenken. Grund: Die Branche ist mit einem vergleichsweise kleinen Wert von knapp einer Milliarde Zloty (250 Millionen Euro) gegenüber wirtschaftlichen Schwankungen stärker anfällig als etablierte große Industriesektoren. Und Schwankungen und Auftragsrückgänge hat es ja in Polen auch gegeben – der soliden Gesamtentwicklung zum Trotz.

„Die Logistikbranche ist dann immer als einer der ersten Dienstleistungssektoren davon berührt“, zitiert „TSLbiznes“ den Vorstandsvorsitzenden von GSL Poland, Klaus Conrad. Sein Unternehmen gehört zu den 15 größten privaten Anbietern im Land. Nach Aussagen der einheimischen Regulierungsbehörde für Telekommunikation UKE lag es im Jahr 2008 bei der Umsatzgröße auf dem zweiten Platz – hinter TNT Express. „Denn wenn weniger produziert wird, wird halt auch weniger versandt“, erklärte der Manager. Mit seinen Aussagen steht Conrad nicht alleine: „Das Wort, das im Jahr 2009 am meisten verwendet worden ist, war das Wort Krise“, erklärte der Verkaufs- und Marketingdirektor des Klassenprimus, TNT Express, Rafal Dziura. Die vergangenen zwölf Monate seien für die TSL-Branche wie für die gesamte Wirtschaft ein nicht sonderlich leichtes Examen gewesen. „Viele Unternehmen haben nicht mehr gewusst, wie sie mit der nachlassenden Nachfrage fertig werden sollten“, so Dziura. Ein Problem sei auch gewesen, dass die Kunden einem unaufhörlichen Kostendruck ausgesetzt gewesen seien.

Wert des Gesamtmarktes rückläufig
Das hat sich auch im Wert des Gesamtmarktes niedergeschlagen. Offizielle Zahlen wird das UKE zwar erst Mitte Mai präsentieren, doch hat es mit Sicherheit Rückschläge gegeben. „Der einheimische Markt ist zwar gewachsen, wenn es um die Zahl der transportierten Sendungen geht, doch dürfte er beim Wert gegenüber dem Vorjahr rückläufig gewesen sein“, prognostiziert Dziura. Dabei ist der einheimische Markt für die Branche entscheidend, weil er knapp drei Viertel der Umsätze der Unternehmen von insgesamt einer Milliarde Zloty (250 Millionen Euro) generiert.

„Die großen polnischen Firmen waren dazu gezwungen, ihre Kosten und Strukturen zu analysieren“, analysierte der Generaldirektor von UPS Polska, Piotr Sitarek. Das habe oft zur Auslagerung besonderer Logistikprozesse geführt. Auch die deutsche DHL Express äußerte sich zu den Problemen: „Das Jahr 2009 war eine Herausforderung und sogar sehr interessant,“ so der Vorstandsvorsitzende Tomasz Buras. Sein Unternehmen habe wie der gesamte Markt der Krise die Stirn geboten, die besonders am Anfang zu spüren gewesen sei. Solche optimistischen Worte hören die Kunden angesichts der Rückgänge im vergangenen Jahr mit Sicherheit gerne.