Kaczyński als Polit-Profi

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WARSCHAU – Der nationalkonservative Jarosław Kaczyński – im Westen oft als wenig kompetenter Anti-Europäer verschrien – macht sich als Politiker. Das ist das wichtigste Fazit nach diesen Präsidentenwahlen in Polen, die auch Auswirkungen auf die EU-Politik haben können – schließlich ist das Land eines der größten innerhalb der Gemeinschaft. Und die PiS – die Partei von Kaczyński – verfügt über einen so starken Wählerstamm, das sie immer in Polen ein Wort mitreden kann.

„Ich bedanke mich bei meinem Gegner Bronisław Komorowski““, sagte Jarosław zum Abschluss des Wahlkampfes. Das war eine Geste, die vor fünf Jahren wohl kaum möglich gewesen wäre. Damals kam die PiS das erste Mal an die Macht. Persönliche Animositäten gegenüber dem politischen Gegner offen zu zeigen oder überhaupt nicht mit ihm zu reden – dieses Verhalten hatten ihn und seinen verstorbenen Bruder Lech damals noch ausgezeichnet. Jetzt trat er im TV-Duell gegen Komorowski an, sein Parteistab analysierte genau seinen Auftritt und gewann damit sogar den Respekt der einheimischen Experten. „Er nahm mit einem Poker-Face die Kritik seines Gegners hin – kühles Verhalten und Beherrschung waren seine Waffen“, kommentierte der Medien-Professor Maciej Mrozowski.

Dabei stellten insbesondere seine versöhnlichen Worte an Russland Anfang Mai einen Einschnitt in seinem Verhalten dar. Dort bedankte sich der 61jährige in einer TV-Botschaft ausdrücklich für die Hilfe, die die Russen nach dem Flugzeugabsturz seines Bruders Lech im russischen Smolensk organisiert hatte. Den Film hatte seine Partei vorher extra den Journalisten in die Hände gespielt. Wer die tiefen Berührungsängste vieler polnischer nationalkonservativer Politiker vor Russland aufgrund des Zweiten Weltkrieges kennt, weiß, was das bedeutet.

“Bleibt doch Wolf im Schafspelz”
„Jarosław ist doch nur ein Wolf im Schafspelz“, kritisierten ihn sofort viele einheimische Beobachter. Kaczyński nutze doch nur die derzeit positive Stimmung gegenüber Russland, um sich mit netten Worten international zu profilieren, so die Kritik. Doch so stimmt das nicht. Denn gerade das zeichnet eine professionelle Politik westlicher Prägung ja aus. Sie koppelt sich weitgehend von Emotionen ab und versucht, Trends und Stimmungen zu nutzen.

Nun scheinen diese emotionalen Auftritte von Kaczyński der Vergangenheit anzugehören. Er organisiert, analysiert seine Politik und ist um eine positive Image-Bildung bemüht. Das macht ihn für die anderen EU-Länder berechenbarer. Und das ist letztlich für die gesamte Gemeinschaft nur von Vorteil – auch wenn nicht alles, was er sagt, vielleicht so gemeint ist.