Homo-Parade ohne Störungen

de Homo-Parade ohne Störungen

WARSCHAU – Die internationale Homosexuellen-Parade „EuroPride 2010“ ist am Samstag in Warschau ohne größere Störungen über die Bühne gegangen – trotz einer aufgeheizten Stimmung im Vorfeld. Rund 8.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind in einem bunten und lautstarken Umzug durch die polnische Hauptstadt gezogen. Dabei nahm die Polizei, die mit einem starken Aufgebot vertreten war, nur einige nationalistische und religiöse Gegendemonstranten fest.

Es war das erste Mal, dass diese Demonstration in Osteuropa organisiert worden ist. „Das war für uns ein Feiertag für die Gleichberechtigung“, sagte Robert Biedron – Sprecher der homosexuellen „Kampagne gegen Homophobie“. Insbesondere im katholischen Polen, das kaum über liberale Traditionen verfügt, ist die Situation von Homosexuellen schwierig. „Viele Polen wissen nur sehr wenig von diesem Thema“, erklärte Biedron.

Die Organisatoren und Biedron waren im Vorfeld auf Konfrontation gegangen, indem sie auf Plakaten mit der Losung „Fürchtet Euch nicht!“ für die Veranstaltung warben. Mit diesen berühmten Worten hatte der verstorbene polnische Papst Johannes Paul II sein Amt auf dem Peterplatz in Rom angetreten. Damit hatte er seine Landsleute in Polen aufmuntern wollen, die die Kommunisten bedrückten. In Polen ist Johannes Paul II für alle unantastbar. Es gilt als verpönt, seine Aussagen für politische Zwecke zu verwenden.

„Das ist eine besondere Provokation“, wetterte denn auch der nationalkonservative Politiker Boleslaw Piecha. Der 56jährige Gynäkologe war vor einigen Jahren noch stellvertretender Gesundheitsminister in der damaligen Regierung unter Jaroslaw Kaczynski gewesen. „Die Veranstalter provozieren mit Sexualität – ganz so, als ob das das wichtigste wäre“, ereiferte sich der Arzt.

55.000 Warschauer für Verbot
Dabei wusste Piecha durchaus einen spürbaren Teil der Warschauer hinter sich: Einer der Gegenumzüge trug den Namen „Grunwald-Marsch“ und wollte damit an die polnische Schlacht von Grunwald vor 600 Jahren gegen den Deutschen Ritterorden erinnern – ganz so, als es eine heilige und nationale Pflicht, die „EuroPride“ zu verhindern. Und 55.000 Warschauer hatten mit einer Unterschriften-Aktion versucht, Bürgermeisterin Hanna Gronkiewicz-Waltz zu einem Verbot der Demonstration zu bewegen. „Unser Staat garantiert aber die Freiheit solcher Manifestationen – unabhängig von den dargelegten Bekenntnissen“, wand sich die gelernte Juristin etwas aus der Affäre. Es schien, als wollte sie lieber nicht mit Thema befassen.

„Ich bin hier, um meiner Tochter zu zeigen, dass wir in einer gleichberechtigten Gesellschaft leben“, sagte hingegen eine Mutter, die an der Demonstration teilnahm – und das bereits zum dritten Mal. Sie zeigte damit, dass sich auch viele Warschauer damit solidarisierten. „Ich will meiner Tochter Toleranz lehren“, erklärte sie. „Gleichberechtigung ist ein Wert.“ Und daran mangele es halt noch sehr in Polen.