CTL: Neuaufbau in Deutschland

de CTL: Neuaufbau in Deutschland

WARSCHAU – Der größte private Bahnanbieter aus Polen, CTL Logistics, will seine Geschäfte in Deutschland neu aufstellen. „Noch ist unser Anteil an diesem Markt nicht so groß“, sagte der Vorstandsvorsitzende Krzysztof Sedzikowski. Doch habe das Unternehmen vor, dort seinen Betrieb weiter zu entwickeln. „Schon bald werden wir hier eine Strategie veröffentlichen.“ Einzelheiten nannte er erst mal nicht.

Die Polen, die seit 1995 in Deutschland aktiv sind, versuchen damit auch auf diesem großen und wichtigen Markt sich wieder in Szene zu setzen. Und an die Erfolge von zuhause anzuknüpfen. Dort waren die Geschäfte zuletzt von Steigerungen gezeichnet. CTL Logistics hatte nach den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahr seine Transportleistung um 21 Prozent auf 1,8 Milliarden Tonnenkilometer erhöht und die private Konkurrenz in die Schranken gewiesen. Doch nachdem die Deutsche Bahn Schenker Rail (DB) zuletzt verstärkt in Polen Zukäufe getätigt hat, ist der deutsche Konzern ein sehr wichtiger Mitbewerber, mit sich das Unternehmen auseinander setzen muss.

“Sind elastischer als die Deutsche Bahn”
„In Deutschland stützt sich unsere Strategie einerseits auf unsere starke Position in Polen“, erklärte Sedzikowski. Andererseits setzt der Manager auf die Entwicklung der transnationalen Transportverkehre. „Unserer Vorteil ist der, dass wir einerseits elastischer als die DB sind“, so der Manager weiter. Andererseits verfüge CTL Logistics über reichlich Erfahrung mit dem Transport von Gütern aus Polen und nach Polen. „Wir können die Grenze sogar überqueren, ohne die Lokomotiven zu wechseln.“ 60 Prozent der Transporte, die die deutsche Tochter fährt, sind transnationale Transporte. Der größte Kunde, den die Polen in Deutschland bedienen, ist der Mineralölkonzern Total.

Das verstärkte Engagement der Deutschen in Polen bewertete Sedzikowski unterschiedlich: „Kurzfristig hat das keinen Einfluss auf unsere Position in Polen“, sagt der Manager. CTL Logistics bleibe der größte private Anbieter. Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben rund 200 Lokomotiven, hat 5000 Waggons und beschäftigt 2.200 Mitarbeiter. „Wir haben eine ziemlich stabile Gruppe von Kunden, die sehr unsere Dienstleistungen schätzen“, sagte der Manager. Die DB plane langfristig, und es werde sich erst zeigen, welche Strategie die Deutschen hätten.

Den Zukauf der kleinen Güterbahn PTK Holding durch die DB sieht Sedzikowski als Zeichen einer Entwicklung des Marktes: „Es ist ein Fakt, dass der Markt sich konsolidiert“, sagte der Manager. Der Pole sieht dabei eine ernsthafte Bedrohung für den polnischen Markt. „Es ist theoretisch denkbar, dass ein internationaler Akteur auf einem lokalen Markt Dumping-Preise anbietet, und dadurch den gesamten Markt dominiert, indem das Unternehmen seine starke finanzielle Position ausnutzt“, erklärte der Vorstandsvorsitzende. Natürlich sei das nicht den Anti-Monopolregeln vereinbar. „Dann verschwinden die kleinen Anbieter – entweder, indem sie die Zahlungsunfähigkeit anmelden oder dadurch, dass sie von größeren Unternehmen übernommen werden.“ Eine solche Art der Konsolidierung sei denkbar.

Doch Sedzikowski gewinnt dem Engagement der Deutschen auch positive Seiten ab. „Die DB bringt dem Markt viele positive Impulse.“ Dadurch werde endlich die vollständige Liberalisierung in Polen gelingen, das der größte Markt in Europa nach Deutschland und Frankreich sei. Ein wichtiger Punkt sind für den CTL-Manager die Kosten in Polen: „Aktuell sind die Preise für die Transportdienstleistungen in Polen absurd niedrig – und die Kosten, die die Unternehmen tragen müssen, absurd hoch.“ Hier müsse als erstes etwas getan werden, damit der Markt konkurrenzfähig bleibe.