CTL auf der Ost-West-Spur

de CTL auf der Ost-West-Spur

WARSCHAU – Sich zurückziehen, um dann wieder anzugreifen: Darauf beruht die neue Deutschland-Strategie des polnischen Bahndienstleisters CTL Logistics. Die Polen, die derzeit nur ein Prozent der Marktanteile in Deutschland halten, wollen sich zukünftig auf die grenzüberschreitenden Transporte von Ost nach West konzentrieren. Und damit ihren geschäftlichen Schwerpunkt von Deutschland weg auf die östlichen Märkte verlegen – und zwar letztlich in Richtung ihres Kernmarktes Polen. „Wir wollen bis 2012 insgesamt fünf Prozent am deutschen Markt unter Kontrolle bekommen“, nannte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Artur Pielech das neue, ambitionierte Ziel. Es geht um Transporte von ARA-Ports nach Russland, in die Ukraine und nach Weißrussland.

Hintergrund: Der größte polnische Bahndienstleister, der zuhause sichtbare zehn Prozent am Markt kontrolliert, hatte bereits bei einiger Zeit den Strategiewechsel angekündigt. Eigentlich hatten die Zahlen von CTL Logistics zuletzt gar nicht so schlecht ausgesehen. Eine solide Bilanz am polnischen Heimatmarkt mit zweistelligen Zuwächsen gegen den Markttrend hatte nicht darauf hingedeutet, dass die Polen ihre Geschäfte beim westlichen Nachbarn neu ordnen müssten. Tatsächlich waren die Transporte am deutschen Markt aber immer schlechter gelaufen. Und die Polen hatten nach den ersten sechs Monaten bei den Transportvolumina und bei der Transportleistung Rückgänge hinnehmen müssen (minus neun Prozent bzw. minus elf Prozent).

Die Deutsche Bahn im Visier
Und dabei sagten die polnischen Manager auch ganz klar, wen sie als Hauptkonkurrenten ansehen: „Wir wollen hier eine Alternative zur Deutschen Bahn Schenker Rail sein“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Krzysztof Sedzikowski. Wenn es um den grenzüberschreitenden Transport von Deutschland nach Polen geht, dann nehmen sie bereits die Spitzenposition ein. „Hier lag nach den ersten sechs Monaten unser Marktanteil von 19 Prozent“, machte Sedzikowski klar – also fast ein Drittel der Transporte rollt unter dem Logo von CTL Logistics über die deutsch-polnische Grenze von Ost nach West und umgekehrt. Und auch hier setzen die Polen noch einen drauf und wollen sich weiter entwickeln: „Unser Ziel liegt bei 30 Prozent Marktanteil“, zeigte der Vorstandsvorsitzende weiter nach vorne. „Wir wollen unbedingt in diesem Segment der Marktführer bleiben.“

Darüber hinaus nannten die Geschäftsleute, welche Waren für sie besonders wichtig sind. „Das ist Kohle und Öl“, so Pielech. Diese Güter hätten an der polnischen Ostgrenze im laufenden Krisenjahr 2009 sogar Zuwächse verzeichnet. „Wir wollen an der Ostgrenze Polens die formale Beziehungen mit den staatlichen Gesellschaften der angrenzenden Länder aufbauen“, deutete der Manager auf ein politisch heikles Thema, weil die Kommunikation mit den Politikern dieser Länder nicht immer einfach ist. Zu den möglichen Partnern gehörten die Russischen Staatsbahnen. „Vielleicht kann das sogar noch bis Jahresende gelingen“, sagte Pielech.

Die Konzentration auf den Ost-West-Verkehr wird auch an der Verlagerung des Hauptsitzes der deutschen Tochter von Düsseldorf nach Berlin deutlich. Das werde noch bis Ende des laufenden Monats erfolgen. Dort werden zwei Manager für die Geschäfte verantwortlich sein. „Ich werde für den operativen Teil zuständig sein“, sagte der Geschäftsführer der deutschen Tochter, Dirk Munder. Der zweite Manager werde sich um den Einkauf und um das Marketing kümmern. Die Polen schauen nun verstärkt nach Osten, um wieder im Westen – in Deutschland – Erfolg zu haben. Das kann gelingen, weil der Hauptkonkurrent – die Deutsche Bahn – kaum Erfahrung auf der Ost-West-Spur hat.