Basketball-EM misslingt den Polen

de Basketball-EM misslingt den Polen

WARSCHAU – Polen hat die Generalprobe für die Organisation der Fußball-Europameisterschaft verpatzt, die das Land in drei Jahren zusammen mit der Ukraine ausrichten soll: Die Basketball-EM, die gerade in dem jungen EU-Staat zu Ende gegangen ist, haben die Veranstalter schwach vermarktet – auch wenn der einheimische Basketball-Verband entschieden das Gegenteil erklärt. „Das Potenzial, das diese Veranstaltung hatte, wurde nur zu 30 Prozent genutzt“, sagt Grzegorz Kita der polnischen Tageszeitung „Dziennik Gazeta Prawna“. Der Manager arbeitet als Direktor für die Warschauer Agentur Sport Management Polska.

Hintergrund: Diese Meisterschaft gilt als ein Probelauf für die Ausrichtung der lukrativen Fußball-EM, die aus der Sicht internationaler Investoren sogar eine weitreichende wirtschaftliche Bedeutung hat. „Der wesentliche Image-Wandel des Landes wird dann in der Breitenwirkung erfolgen, wenn es Polen gelingt, eine erfolgreiche EM 2012 mit der Ukraine auszutragen“, finden die Manager. Aus ihrer Sicht haben viele internationaler Unternehmer bisher nur ein falsches Bild oder gar keins. Mit der Basketball-EM scheint dieser Image-Wandel erst einmal kaum gelungen zu sein.

„Ich habe keine Meisterschafts-Atmosphäre bei der Basketball-EM gespürt“, führt Kita weiter aus. „Bei jedem anderen wichtigen Sportereignis, das ich mir angeschaut habe, war zu spüren gewesen, dass hier etwas Besonderes passiert – sogar in solchen Disziplinen, die eine noch geringere Bedeutung haben wie damals 2007 in Melbourne bei der Schwimm-WM“, beschwert sich Kita. Dort habe es immer in den Austragungsstädten Plakate, Flaggen oder Autos mit Aufschriften der Veranstaltung gegeben, und Hostessen hätten versucht, Zuschauer und andere Sportbegeisterte zu gewinnen. „Doch in den polnischen Städten war das Fehlen einer stringenten und systematische Reklamekampagne zu sehen.“ Ein Beispiel: Die Stadt Gdansk (Danzig) gab 2,5 Millionen Zloty (600.000 Euro) für die Veranstaltung aus – doch der Effekt dieser Gelder war kaum zu sehen.

“Mehr private Sponsoren notwendig”
Dabei ist Kita nicht der einzige Experte, der sich kritisch äußert: „Ein wesentlicher Teil der Verantwortung für die Finanzierung lastete auf den Städten und dem Ministerium für Staatseigentum“, sucht sein Kollege von, der Sprecher der der Marketing-Agentur Sport Evolution, Michal Drelich, nach den Ursachen. „Es hat praktisch keine privaten Sponsoren gegeben.“ Und der Fachmann macht dabei auch noch weiteren konkreten Vorschlag: „Man hätte noch mehr den Bekanntheitsgrad von Marcin Gortat ausnutzen müssen – dem polnischen NBA-Spieler.“ Und auch das Image seiner Mitstreiter hätten die Veranstalter noch mehr in den Blickpunkt stellen müssen.

Und auch die internationalen Beobachter und Spieler waren nicht zufrieden: „Die Organisation war wirklich mies“, sagt denn auch der ehemalige polnische Nationaltrainer – der Slowene Andrej Urlep. Der 52jährige Experte hörte von Klagen über die Hotels und über das Essen. „Polen hätte einfach mehr aus der Veranstaltung machen müssen“, mäkelt Urlep. Der kroatische Spieler Zoran Planinic packt da sogar noch einen drauf: „Das war in organisatorischer Hinsicht die schlechteste EM, die ich je gespielt habe.“ Die israelische Zeitung „Haaretz“ findet sogar noch ein Haar in der Suppe und bemängelt die Englisch-Kenntnisse der Veranstalter.

Die schwache Vermarktung und die Organisation waren aber auch nur ein Problem. Ein weiteres war der Zustand der Sportanlagen. In der Jahrhundert-Halle in Wroclaw (Breslau, Fassungsvermögen, 7.000 Zuschauer) wurden die Bauarbeiten praktisch erst mit dem Beginn der Veranstaltung beendet. Baubuden- und gerüste standen noch während des gesamten Turniers dort herum. Die Flure im Gebäude erinnerten an die siebziger Jahren zur kommunistischen Zeit. Nicht anders sah es in Gdansk (Danzig, 5000), Poznan (Posen, 5000) und Warschau (5000) aus.

Einzig und allein der Verband sieht seine Arbeit in einem falschen Licht dargestellt. „Wir bin sehr zufrieden“, erklärt der Boss des polnischen Basketball-Verbandes PZKosz, Roman Ludwiczuk. Die Organisatoren hätten ein gutes Stück Arbeit geleistet. Letztlich ist das aber egal: Polen sollte die Veranstaltung möglichst schnell abhaken und sich weiter auf die Fußball-EM 2012 konzentrieren. Schließlich gilt ja die alte Theaterweisheit: Auf eine misslungene Generalprobe folgt eine erfolgreiche Premiere.