Langsam wieder besser

deLangsam wieder besser

Automarkt in Osteuropa: Während sich Russland weiter aus der Krise müht, können Polen, Ungarn, Tschechien und die Slowakei wieder auf Zuwächse hoffen. Mercedes jubelt im Prinzip als einziger.

Moskau. Ein schwache Konjunktur sowie der Streit mit der WTO haben im Jahr 2013 nach wie vor Russland belastet. Bis Ende September krachte der Absatz um sieben Prozent auf zwei Millionen Wagen ein. Lada sorgte mit einem Einbruch von 14 Prozent auf 340.000 Millionen Wagen für eine negative Überraschung.

Dabei hielten sich die deutschen Produzenten teilweise mehr als wacker: Während VW mit einem Rückgang von fünf Prozent auf fast 117.000 Fahrzeuge im Markttrend lag, legten Mercedes-Benz (20 Prozent auf 32.000) und BMW (14 Prozent auf fast 30.000) zu. Die Russen schätzen mehr Luxusautos als westliche Kunden.

Für 2013 geht das Kommitee der Autohersteller im Wirtschaftsverband AEB weiter von einem Rückgang um fünf Prozent im Vergleich zu 2012 auf 2,8 Millionen Wagen aus. „Der Markt zeigt noch keine ausreichende Stabilität, die eine Grundlage für ein gemäßigtes Wachstum in der nahen Zukunft wäre”, analysiert Jörg Schreiber, der Sprecher des AEB gegenüber russischen Medien.

Mercedes-Benz; H2 World Drive 2011; Europe 2
Mercedes in Moskau, Foto: Daimler

„Es gibt jedenfalls gute Wachstumsaussichten im Bereich der Leichtfahrzeuge”, versprüht hingegen Professor Rainer Lindner im Gespräch Optimismus. Der Wissenschaftler ist der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. Grund hierfür seien seinen Aussagen zufolge eine geringere Marktdichte und die große Zahl an überalterten Fahrzeugen. „Die Aussichten in den Bereichen LKW, Bus und leichtere gewerbliche Nutzfahrzeuge sind ebenfalls gut,” glaubt der Fachmann.

Zudem belastet der Protektionismus, den Moskau latent betreibt, die Investoren. Immerhin gab es Mitte Oktober beim Streit mit der EU um die milliardenschweren Abwrackgebühr auf Autoimporte einen Progress. Das Parlament führte die selbe Gebühr nun auch für seine eigenen Firmen ein, nachdem Brüssel ein Schiedsgericht bei der WTO anrufen wollte.

“Dies ist aber nur die zweitbeste Lösung”, findet Professor Lindner. Denn aus seiner Sicht kann Protektionismus nie eine Option darstellen. “Die Abgaben wären doch viel sinnvoller gewesen, wenn sie in die Investitionen fließen würden”, so der Experte. Diesen Weg sei Russland aber nicht gegangen.

In Polen, gleich nach Russland einem der größten Märkte in der Region, sieht es wesentlich freundlicher aus. Ein Grund: Die Konjunktur in den EU-Ländern, in die 80 Prozent des polnischen Exportes gehen, hat sich wieder verbessert. Nach einem Bericht der einheimischen Autovereinigung PZPM ist der Absatz bis Ende Oktober im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,8 Prozent auf mehr 273.000 PKW und Lieferfahrzeuge gestiegen. “Auch im Gesamtjahr 2013 dürfte es einen Zuwachs gegeben haben”, glaubt Frank Schwope, Autoanalyst von der Nord/LB im Gespräch.

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Mercedes-Chef von Polen, Kowollik,: “Auch 2014 stabiles Wachstum”
, Foto: Daimler

Dabei spricht Mercedes sogar von einem sehr guten Jahr: “ Wir haben die höchsten Verkaufszahlen im LKW -Bereich seit der Firmengründung 1996 verzeichnet”, sagte Niels Kowollik, President und CEO Mercedes-Benz Polska. Bei den PKW betrug das Verkaufswachstum seinen Aussagen zufolge rund zehn Prozent. “Vorausgesetzt, dass die steuerlichen Regelungen 2014 unverändert bleiben, erwarten wir stabiles Wachstum, vor allem dank unserer kraftstoffeffizienten Produkte und unserer neuen Modelle der C-Classe und GL”, glaubt Kowollik.

Darüber hinaus dürfte dieses Wachstum bis 2015 anhalten. Die Fachleute der PZPM gehen davon aus, dass der Wert des Produktion bei 117,1 Milliarden Zloty oder rund 28 Milliarden Euro liegt. Bis zum Jahr 2015 soll dieses Volumen den Schätzungen der Experten zufolge um etwa elf Prozent auf 130 Milliarden Zloty oder 31 Milliarden Euro steigen.

Fortschritte sind auch in Ungarn zu sehen – einem Land, das in der Vergangenheit wegen der Regierung Orban oft von den Investoren skeptisch beäugt wurde. Hier wurde nach den ersten neun Monaten der EU-Markt beim Autoabsatz übertroffen. Und das auch noch weit. Während der Durchschnitt bei einem Rückgang um 3,9 Prozent lag, haben die Ungarn sogar ein Plus um 4,3 Prozent erwirtschaftet. „Die derzeitigen Steigerungsraten gehen aufgrund des drastischen Rückgangs während der Krise von einer extrem schwachen Basis aus“ erklärte Dirk Wölfer, Sprecher der AHK Ungarn im Gespräch.

„Fördernd kommt seinen Aussagen zufolge hinzu, dass die Regierung seit 2011 steuerliche Änderungen und einige andere Maßnahmen ergriffen hat, die generell die Kaufkraft etwas gefördert haben. „Die Binnennachfrage dürfte sich 2013 und 2014 weiter stabilisieren“, so der AHK-Mann. 2013 insgesamt könnten seiner Einschätzung zufolge die Neuzulassungen um gut fünf Prozent ansteigen, eine ähnliche Größenordnung könnte auch 2014 erreicht werden.

Ähnlich positiv sieht es auch in der Slowakei aus. Die drei größten Hersteller dürften nach Einschätzung der AHK Slowakei ihren Produktionsrekord aus dem Vorjahr von etwa 927.000 Wagen erneut übertreffen. Bereits bis Ende Juni rollten 550.000 Autos von den Bändern. „Dies ist anbetracht der angespannten Lage in Europa eine beträchtliche Leistung“, findet Markus Halt von der AHK im Gespräch.

„Im kommenden Jahr sind die Aussichten für die Gesamtwirtschaft gut, die Regierung rechnet mit einem Plus von zwei Prozent“, so Halt. Da aus seiner Sicht auch die Kaufkraft wieder steigen dürfte, sollte sich der Automarkt wieder entspannen. „Die lokale Autoindustrie wird wohl einmal mehr für Wachstumsimpulse sorgen“, prognostizierte der AHK-Mann.

In Tschechien hingegen ist der Produktion bis Ende September um 7,1 Prozent auf fast als 854.000 Fahrzeuge zurückgegangen. „Der Rückgang überrascht kaum, wenn wir die in Europa insgesamt schwache Nachfrage berücksichtigen“, sagte Bernard Bauer, der Geschäftsführer der AHK Tschechien im Gespräch.

Ein Unsicherheitsfaktor ist seinen Aussagen zufolge die Bildung einer neuen Regierung, die zum Jahreswechsel abgeschlossen sein könnte. Einige an der Regierung möglicherweise beteiligten Parteien forderten im Wahlkampf eine höhere Unternehmensbesteuerung sowie weitere Steuererhöhungen. Sollten diese Forderungen Realität werden, wäre dies nach seiner Einschätzung für alle Investoren sehr unangenehm. “Allerdings sieht es derzeit eher nicht danach aus, als könnte dieser Vorschlag eine parlamentarische Mehrheit finden”, sagte der AHK-Mann.

Trotzdem dürfte es zukünftig besser werden. Der tschechische Verband der Automobilindustrie (AutoSAP) rechnet für 2013 zwar mit einem Rückgang der Fertigung im Vergleich zu 2012 um sechs Prozent auf 1,1 Millionen Neuwagen. „2014 dürfte es aufgrund einer leichten Nachfragebelebung auf den Exportmärkten, aber auch im Inland zu einem erneuten Produktionsanstieg kommen“, hofft der Geschäftsführer.

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